Arbeitsrecht: Die Frauenquote in Gesetz, Wirtschaft & Wirklichkeit

Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache, dass Frauen statistisch weniger verdienen und seltener Karriere machen als Männer. Es ist jedoch die Frage, warum dies so ist und wie man es ändern kann. Linda L. Carli und Alice H. Eagly, zwei amerikanische Psychologinnen, haben sich mit dem Thema eingehender befasst. In ihrem Buch

Through the Labyrinth: The Truth About How Women Become Leaders f√ľhren sie beispielsweise aus: Frauen sind in Spitzenpositionen nach wie vor selten anzutreffen – denn ihnen werden auf allen Stufen ihrer Karriere Hindernisse in den Weg gelegt. Nur ein grunds√§tzliches Umdenken in den Unternehmen kann diese Situation verbessern. Nach einer falschen Diagnose wird selten das richtige Medikament verschrieben. So erkl√§rt sich auch, warum in den Vorstandsetagen der Wirtschaft immer noch so wenige Frauen zu finden sind. Es wird in L√∂sungen investiert, die zwar mit den besten Absichten konzipiert wurden, aber nicht die gew√ľnschte Wirkung erzielen. An der Existenz des Problems besteht kein Zweifel. Einerseits haben Frauen in der Arbeitswelt deutliche Fortschritte gemacht, denn mittlerweile sind in den USA mehr als 40 Prozent aller F√ľhrungsposten mit Frauen besetzt. Andererseits sind sie im Topmanagement immer noch eine Seltenheit.</blockquote> Die Frage ist, woran das liegt. Zwei Gr√ľnde scheinen hier die im wesentlichen ausschlaggebenden Ursachen zu sein. Die Erwartungshaltung von F√ľhrungskr√§ften an Frauen und √ľber Frauen. Vieles spielt sich hier im Unbewussten Zwei Frauen bei der Arbeit

Und ist die Folge einer seit Jahrzehnten wenn nicht Jahrhunderten gepr√§gten Vorstellungswelt. Weil Frauen Frauenarbeit verrichtet haben und verrichten, traut man ihnen auch nichts anderes als Frauenarbeit zu.</li> <li>Zum anderen scheint es so zu sein, dass M√§nner mehr Wert auf eine schnelle Steigerung ihres Gehalts und der zugeh√∂rigen Boni und der Aufstieg im Unternehmen legen. Frauen sehen dagegen nach einer Studie, auf die die Financial Times Deutschland bereits vor Jahren hingewiesen hat, die pers√∂nliche und fachliche Akzeptanz als wichtigstes Kriterium f√ľr ein erf√ľlltes Berufsleben. Wenn dies so richtig ist, dann erscheint es aus Sicht eines Unternehmers durchaus zweckm√§√üig, Frauen schlechter zu bezahlen. Weil man ihre Arbeitskraft g√ľnstiger bekommen kann. Und es unternehmerisch unsinnig ist, f√ľr irgendein Gut – hier die weibliche Arbeitskraft – mehr auszugeben als n√∂tig. Weil sich das Gehaltsgef√ľge nur in umk√§mpften M√§rkten von alleine ver√§ndert und der Markt der weiblichen Arbeitskraft hierzu nicht geh√∂rt, wird seit l√§ngerem Versucht,¬† eine gesetzliche L√∂sung zu finden. In Deutschland hat der Gesetzgeber – auf Anlass einer EU-Richtlinie – das Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz geschaffen. Jedoch hat sich dieses bislang in der arbeitsrechtlichen Praxis noch nicht als ein besonders scharfes Schwert erwiesen. Weil die tats√§chliche Ungleichbehandlung bzw. Diskriminierung bestenfalls schwierig nachzuweisen ist. Wie Spiegel Online nun berichtet, geht man in Norwegen zwischenzeitlich einen anderen Weg. 40 Prozent der Aufsichtsratspl√§tze aller gr√∂√üeren b√∂rsennotierten Aktiengesellschaften m√ľssen seit 2008 von Frauen besetzt werden. Sonst drohen drakonische Strafen – bis hin zum Ausschluss von der B√∂rse, was in der Praxis einer Liquidierung gleichkommt. Es bleibt abzuwarten, ob dies so auch in Deutschland eingef√ľhrt werden wird. Solange es jedoch auf b√∂rsennotierte Aktiengesellschaften beschr√§nkt bleibt, ist der normale Mittelst√§ndler und damit die Mehrzahl der Arbeitgeber hiervon √ľberhaupt nicht betroffen.

Arbeitsrecht: Die Frauenquote in Gesetz, Wirtschaft & Wirklichkeit was last modified: September 22nd, 2015 by Kai Breuning

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