Mietrecht: Bedeutung der 7/10 Grenze im ersten Zwangsversteigerungstermin

Vor dem Amtsgericht Bergedorf wurde im ersten Termin ein Grundst√ľck in Kirchwerder versteigert. Der Gutachter hatte den Verkehrswert auf EUR 100.000 gesch√§tzt. Im Termin konnte man die M√∂glichkeiten sehr sch√∂n erkennen.

Nachdem der Rechtspfleger den Ablauf des Versteigerungstermins ausf√ľhrlich erl√§utert hatte, wurde die Bietstunde er√∂ffnet. In dem Saal waren ca. 20 Leute anwesend. Als keine ein erstes Gebot abgeben wollte und offenkundig dar√ľber nachgedacht wurde, wie niedrig man anfangen kann, wies der Rechtspfleger darauf hin, dass man zwar (fast) jedes beliebige Gebot abgeben k√∂nne. Er aber kraft Gesetzes Gebote unterhalb von EUR 50.000 (= 100.000 Verkehrswert * 5/10) ablehnen muss.

Darauf kam etwas Bewegung in die Versteigerung und es wurde ein erstes Gebot in H√∂he von EUR 50.000 abgegeben. Die Gl√§ubigervertreterin verlangte die Stellung einer Sicherheit. Die Sicherheit betrug 10 % des Verkehrswertes; also EUR 10.000. Der Rechtspfleger stellte hierzu klar, dass der erste Bieter den Betrag „vorab“ an die Gerichtskasse √ľberwiesen hatte. Daher wurde er als Bieter zugelassen und das Gebot angenommen.

Ein weiterer Bieter √ľberbot in dann mit EUR 51.000. Auch insoweit verlangte die betreibende Gl√§ubigerin eine Sicherheit. Dieser Bieter stellte die Sicherheit in Form eines bankbest√§tigten Schecks. Anschlie√üend boten sich die beiden Bieter langsam h√∂her. Die Gl√§ubigervertreterin wies dann irgendwann daraufhin, dass sie unterhalb der 7/10 – Grenze (= EUR 70.000) von ihrem gesetzlichen Recht Gebrauch machen und die Versteigerung verhindern w√ľrde. Trotzdem boten die Bieter zun√§chst weiter in kleinen Schritten.

Irgendwann wollte die Gl√§ubigervertreterin dann sicherstellen, dass die 7/10 – Grenze auf jeden Fall erreicht wird. Und bot selbst f√ľr die betreibende Vierl√§nder Volksbank EUR 70.000. F√ľr die Bank war dies einfach, weil sie an rangerster Stelle war und damit effektiv nur die Verfahrenskosten und das Finanzamt bezahlen musste, sie, als betreibender Gl√§ubiger, von sich selbst keine Sicherheit verlangte; ihr Gebot war daher ohne weiteres zul√§ssig.

Die beiden bisherigen Bieter blieben die einzigen Interessenten. Nachdem sich ein Interessent – auf unser Anraten – hin vor der T√ľr mit der Vertreterin der Gl√§ubigerin unterhalten hat, hat er letztlich f√ľr ca. EUR 76.000 den Zuschlag erhalten. Was ausgehend von dem gutachterlich angenommen Verkehrswert eine Ersparnis von rund EUR 24.000 oder knapp einem Viertel darstellt.

Das muss man am freien Markt in einer Verhandlung erst einmal gegen√ľber dem Verk√§ufer durchsetzen k√∂nnen. Aus diesem Grund sind wir der festen √úberzeugung, dass man, wenn Immobilien g√ľnstig erwerben m√∂chte, die M√∂glichkeiten der Zwangsvollstreckung auf jeden Fall in Erw√§gung ziehen sollte.

Mietrecht: Bedeutung der 7/10 Grenze im ersten Zwangsversteigerungstermin was last modified: September 22nd, 2015 by Kai Breuning

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